Wenn der Richter der Täter ist – „Der zerbrochne Krug“ auf der Bühne

Ein zwielichtiger Dorfrichter, ein zerbrochener Krug und ein im wahrsten Sinne des Wortes schräges Bühnenbild sorgen in Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ für zahlreiche Lacher im Publikum. Trotz seines Alters wirkt das Schauspiel zeitlos und zeigt von Beginn an, wie brüchig Autorität und Moral sein können. Gleichzeitig wird deutlich, wie aktuell Kleists Klassiker auch heute noch ist.

Das Stück wurde im Rahmen des Deutschunterrichts der Deutsch-Leistungskurse der J1 besucht und vom Ensemble der Schauspielbühnen Stuttgart im Alten Schauspielhaus inszeniert und aufgeführt. Das erstmals 1808 uraufgeführte Stück wurde in der Spielzeit von Ende Oktober bis Anfang Dezember 2025 in Stuttgart neu auf die Bühne gebracht. Unser Theaterbesuch fand am 1. Dezember statt.

Im Zuge der GFS wurde vorab außerdem noch eine Backstage-Führung angeboten, bei der die Theatervermittlerin Diana Gantner interessante Einblicke in das Geschehen hinter den Kulissen gab.

Die Handlung spielt an einem Gerichtstag in dem kleinen niederländischen Dorf Huisum. Dorfrichter Adam wird von seinem Schreiber Licht in seinem Schlafzimmer geweckt, welches gleichzeitig als Gerichtssaal dient. Doch Adam kann seine richterliche Perücke nicht finden, welche seine Wunden am Kopf verdecken würde. Und ausgerechnet an diesem Tag erscheint Gerichtsrat Walter, um den Prozess um einen zerbrochenen Krug zu beobachten. Frau Marthe Rull beschuldigt den Verlobten ihrer Tochter Eve, den Krug bei einem nächtlichen Besuch zerstört zu haben. Was zunächst wie ein klarer Fall wirkt, entpuppt sich nach und nach als komplexes Geflecht aus Lügen und Vertuschung. Dass Dorfrichter Adam selbst der Täter ist und schließlich entlarvt wird, macht das Stück zu einen zeitlosen Theaterklassiker.

Das in der Gerichtsverhandlung etwas nicht ganz richtig ist, wird bereits beim Blick auf das Bühnenbild deutlich. Ein gespaltener Richtertisch, der zugleich als Bett dient, Unordnung, schiefe Wände, Stroh auf dem Boden und an den Wänden hängende Stühle spiegeln moralisches Chaos und Zerrissenheit wider. Doch nicht nur das Bühnenbild von Leif Erik-Heine überzeugt, auch die Kostüme sind ihm geglückt. Typisch für das Alte Schauspielhaus sind sie klassisch gehalten und unterstützen so die zeitlose Wirkung des Stücks.

Besonders hervorzuheben ist die von der Presse gelobte Darstellung des Dorfrichters Adam durch Andreas Klaue, die sich als absolut begründet erweist. Aber auch die übrigen Schauspielenden überzeugen durch ihre Körpersprachen, Mimik und ihr Zusammenspiel. Die Figuren aus dem Lustspiel werden passend und lebendig verkörpert.

Der Machtmissbrauch durch Dorfrichter Adam und dessen Autorität, erscheinen heute so aktueller denn je. Missbrauchsfälle aus höheren Positionen, oft gegenüber Minderjährigen, sind auch in der heutigen Gesellschaft ein Thema, das stetig mehr Aufmerksamkeit bekommt. Ebenso zeigt das Stück das Zusammenspiel von Wahrheit und Lüge und wie wichtig es ist, wenn Opfer den Mut finden, die Wahrheit zu sagen. Gleichzeitig wird sichtbar, wie sich Täter immer weiter in ihren Lügenkonstrukten verstricken. Die hinterlistigen Versuche Adams, seine Schuld zu vertuschen, brachten das Publikum oft zum Lachen, regen jedoch ebenso zum Nachdenken an.

Besonders überzeugend war die vermittelte Stimmung durch das Zusammenspiel der Schauspielenden, eine gelungene Mischung aus komischen Szenen und einem ernsten, gesellschaftlichen Kern. Kritikpunkte gab es während unseres Besuchs nur wenige. Teilweise war die Sicht eingeschränkt, zudem empfanden einige das Stück als stellenweise langatmig, da es im Unterricht bereits sehr detailliert behandelt wurde. Dennoch eignet sich die Inszenierung hervorragend für Schülerinnen und Schüler, da Figurenkonstellationen klar verständlich sind. Und auch die Umsetzung des Stückes hilft dabei, die zentralen Konflikte des Dramas zu erkennen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sich um eine gelungene Inszenierung handelt, welche dazu beigetragen hat, die Lektüre zu vertiefen und die Inhalte auf anschauliche und differenzierte Weise zu erschließen. Der Theaterbesuch stellte somit eine sinnvolle Ergänzung zum Unterricht dar und bot eine gute Vorbereitung auf die anstehende Klausur.

https://schauspielbuehnen.de/spielplan/spielzeit-2025-2026/der-zerbrochne-krug

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